Beschleunigung – Wenn sich Geschwindigkeit ändert
Lernziele
- Beschleunigung als Änderung der Geschwindigkeit verstehen
- positive und negative Beschleunigung unterscheiden
- einfache Beschleunigungsaufgaben lösen
Vorwissen empfohlen
Einführung
Du sitzt im Auto und wirst bei einer Vollbremsung nach vorne gedrückt. Oder du spürst im Aufzug, wie dein Magen kurz „nachrutscht”, wenn es losgeht. Dieses Gefühl hat einen Namen in der Physik: Beschleunigung. Sie beschreibt, wie schnell sich eine Geschwindigkeit ändert – und das betrifft nicht nur Sportwagen, sondern auch Fahrräder, Skateboards und fallende Äpfel.
Grundidee
Stell dir vor, du rollst auf dem Skateboard einen Hügel hinunter. Am Anfang bist du langsam, aber mit jeder Sekunde wirst du schneller. Diese Zunahme der Geschwindigkeit pro Zeiteinheit ist Beschleunigung. Wirst du dagegen langsamer – etwa weil du bremst – ist das ebenfalls eine Beschleunigung, nur in die andere Richtung. Beschleunigung bedeutet also nicht automatisch „schneller werden”, sondern jede Änderung der Geschwindigkeit.
Erklärung
Beschleunigung gibt an, um wie viel sich die Geschwindigkeit in einer bestimmten Zeit ändert. Die Formel lautet:
Dabei steht für die Geschwindigkeitsänderung und für die verstrichene Zeit. Die Einheit ist m/s² (Meter pro Sekunde zum Quadrat).
Positive Beschleunigung bedeutet: Das Objekt wird schneller. Ein Auto, das in 8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, hat eine Beschleunigung von etwa 3,5 m/s².
Negative Beschleunigung (Verzögerung) bedeutet: Das Objekt wird langsamer. Wenn du auf dem Fahrrad bremst und in 4 Sekunden von 20 km/h auf 0 kommst, ist die Beschleunigung negativ.
Ein besonders wichtiger Wert ist die Fallbeschleunigung . Jeder Gegenstand, der fällt, wird pro Sekunde um knapp 9,81 m/s schneller – egal ob Stein oder Feder (ohne Luftwiderstand).
Der Zusammenhang mit der Kraft lautet : Je größer die Kraft, desto stärker die Beschleunigung – und je schwerer das Objekt, desto träger reagiert es.
Beispiel aus dem Alltag
Du stehst in einem Aufzug. Wenn er nach oben losfährt, spürst du kurz, wie du schwerer wirst – dein Körper wird nach oben beschleunigt. Oben angekommen bremst der Aufzug ab, und du fühlst dich für einen Moment leichter. Genau dasselbe passiert in der Achterbahn: In der Kurve nach unten drückt es dich in den Sitz (Beschleunigung), am höchsten Punkt fühlst du dich schwerelos (Verzögerung).
Noch ein Beispiel: Ein Sportwagen schafft 0 auf 100 km/h in 4 Sekunden. Das sind 100 km/h = 27,8 m/s, also . Das ist fast 70 % der Erdbeschleunigung – kein Wunder, dass man in den Sitz gepresst wird.
Anwendung
Aufgabe: Ein Zug fährt aus dem Bahnhof los und erreicht nach 20 Sekunden eine Geschwindigkeit von 72 km/h.
- Rechne 72 km/h in m/s um: .
- Setze in die Formel ein: .
Der Zug beschleunigt also mit 1 m/s² – jede Sekunde nimmt seine Geschwindigkeit um 1 m/s zu.
Zum Nachdenken: Warum spürst du im ICE bei gleichmäßiger Fahrt mit 300 km/h keine Beschleunigung? Weil sich die Geschwindigkeit nicht ändert – , also .
Typische Fehler
- „Beschleunigung heißt immer schneller werden.” Falsch. Auch Bremsen ist Beschleunigung – nur mit negativem Vorzeichen (Verzögerung).
- Einheit verwechseln: Die Einheit ist m/s², nicht m/s. m/s ist die Geschwindigkeit, m/s² die Änderung der Geschwindigkeit pro Sekunde.
- km/h nicht umrechnen: In Formeln muss die Geschwindigkeit in m/s stehen. Teile km/h immer durch 3,6.
- Beschleunigung mit Geschwindigkeit gleichsetzen: Ein Objekt kann eine hohe Geschwindigkeit haben und trotzdem unbeschleunigt sein (gleichförmige Bewegung).
Zusammenfassung
- Beschleunigung beschreibt, wie schnell sich die Geschwindigkeit ändert: .
- Die Einheit ist m/s² (Meter pro Sekunde zum Quadrat).
- Positive Beschleunigung = schneller werden, negative Beschleunigung (Verzögerung) = langsamer werden.
- Die Fallbeschleunigung auf der Erde beträgt etwa 9,81 m/s².
- Kraft und Beschleunigung hängen über zusammen.
- Ohne Geschwindigkeitsänderung gibt es keine Beschleunigung – auch nicht bei 300 km/h.