Geschwindigkeit und ihre Berechnung
Lernziele
- verstehen, dass Geschwindigkeit das Verhältnis von Strecke zu Zeit ist
- den Unterschied zwischen Geschwindigkeit und Schnelligkeit kennen
- einfache Geschwindigkeiten berechnen und Einheiten umrechnen
Vorwissen empfohlen
Einführung
Wie schnell läufst du zur Schule? Wie lange braucht ein Auto von Hamburg nach München? Geschwindigkeit begegnet uns ständig - im Straßenverkehr, beim Sport, sogar bei der Wettervorhersage.
In der Physik ist Geschwindigkeit eine der wichtigsten Größen überhaupt. Sie beschreibt, wie schnell sich etwas bewegt, und bildet die Brücke zwischen dem Konzept der Bewegung und den Kräften, die dahinterstecken. Wer Geschwindigkeit versteht, kann viele Alltagsfragen mit einer einzigen Formel beantworten.
Grundidee
Stell dir vor, du gehst zu Fuß zur Bushaltestelle. Du legst 500 Meter in 5 Minuten zurück. Deine Freundin schafft die gleiche Strecke in nur 4 Minuten. Wer ist schneller? Klar, deine Freundin - sie legt in der gleichen Zeit mehr Strecke zurück (oder die gleiche Strecke in weniger Zeit).
Genau das ist Geschwindigkeit: Sie sagt dir, wie viel Strecke jemand oder etwas pro Zeiteinheit zurücklegt. Je mehr Strecke in der gleichen Zeit, desto größer die Geschwindigkeit.
Erklärung
Die Geschwindigkeit berechnet sich aus Strecke geteilt durch Zeit:
v = s ÷ t
Dabei steht v für Geschwindigkeit (vom lateinischen velocitas), s für die zurückgelegte Strecke und t für die benötigte Zeit.
Einheiten
Die Grundeinheit der Geschwindigkeit ist Meter pro Sekunde (m/s). Im Alltag nutzen wir häufiger Kilometer pro Stunde (km/h).
Umrechnung: 1 m/s = 3,6 km/h. Warum? In einer Stunde stecken 3600 Sekunden, in einem Kilometer 1000 Meter. Also: 1 m/s × 3600 s ÷ 1000 = 3,6 km/h.
Faustregel: Von m/s nach km/h multiplizierst du mit 3,6. Von km/h nach m/s teilst du durch 3,6.
Durchschnitts- und Momentangeschwindigkeit
Wenn du mit dem Fahrrad 10 km in 30 Minuten fährst, beträgt deine Durchschnittsgeschwindigkeit 20 km/h. Das heißt aber nicht, dass du die ganze Zeit genau 20 km/h gefahren bist. An Ampeln standest du still, bergab warst du schneller.
Die Geschwindigkeit in einem bestimmten Augenblick heißt Momentangeschwindigkeit - das ist genau das, was der Tacho im Auto anzeigt.
Geschwindigkeit ist nicht gleich Schnelligkeit
In der Physik unterscheidet man zwischen Geschwindigkeit (mit Richtung) und Schnelligkeit (ohne Richtung). Ein Auto, das mit 50 km/h nach Norden fährt, hat eine andere Geschwindigkeit als eines mit 50 km/h nach Süden - obwohl die Schnelligkeit gleich ist. Für die meisten Alltagsrechnungen reicht uns aber erst einmal die Schnelligkeit.
Beispiel aus dem Alltag
Schulweg mit dem Fahrrad:
Du fährst jeden Morgen 3 km zur Schule und brauchst dafür 12 Minuten. Wie schnell fährst du?
Zuerst die Einheiten klären: 12 Minuten = 0,2 Stunden (12 ÷ 60).
v = s ÷ t = 3 km ÷ 0,2 h = 15 km/h
Das ist eine typische Fahrradgeschwindigkeit. Zum Vergleich: Ein Fußgänger schafft etwa 5 km/h, ein Auto in der Stadt fährt rund 50 km/h, und ein ICE erreicht bis zu 300 km/h.
Noch ein Beispiel: Ein Gepard sprintet 120 km/h. Wie viel ist das in m/s?
120 km/h ÷ 3,6 = 33,3 m/s - das sind über 33 Meter in einer einzigen Sekunde!
Anwendung
Aufgabe zum Mitrechnen:
Eine Läuferin joggt 8 km in 40 Minuten. Danach geht sie 2 km in 20 Minuten nach Hause.
Frage 1: Wie groß ist ihre Durchschnittsgeschwindigkeit beim Joggen?
40 Minuten = 40/60 h = 2/3 h. Also: v = 8 km ÷ 2/3 h = 12 km/h.
Frage 2: Wie groß ist die Durchschnittsgeschwindigkeit für den gesamten Weg (Joggen + Gehen)?
Gesamtstrecke: 8 + 2 = 10 km. Gesamtzeit: 40 + 20 = 60 Minuten = 1 h. Also: v = 10 km ÷ 1 h = 10 km/h.
Beachte: Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist nicht einfach der Mittelwert von Jogging- und Gehgeschwindigkeit, sondern immer Gesamtstrecke geteilt durch Gesamtzeit.
Typische Fehler
Viele denken: Man kann die Durchschnittsgeschwindigkeit berechnen, indem man einfach die einzelnen Geschwindigkeiten mittelt. Also (12 km/h + 6 km/h) ÷ 2 = 9 km/h.
Richtig ist: Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist immer Gesamtstrecke ÷ Gesamtzeit. Der Mittelwert der Geschwindigkeiten stimmt nur, wenn man für beide Abschnitte gleich lange unterwegs war.
Weiterer Fehler: Beim Umrechnen von km/h in m/s wird oft mit 3,6 multipliziert statt geteilt. Merke: m/s ist die “kleinere” Einheit im Alltag - die Zahl wird also kleiner, wenn du von km/h umrechnest.
Dritter Fehler: Die Einheiten nicht umrechnen. Wenn die Strecke in Kilometern und die Zeit in Minuten gegeben ist, muss man vor dem Einsetzen in die Formel auf passende Einheiten achten (z. B. km und Stunden oder Meter und Sekunden).
Zusammenfassung
Merke dir:
- Geschwindigkeit ist Strecke pro Zeit: v = s ÷ t
- Die Einheiten sind m/s oder km/h, Umrechnung: mal 3,6 (m/s → km/h) bzw. geteilt durch 3,6 (km/h → m/s)
- Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist Gesamtstrecke geteilt durch Gesamtzeit - nicht der Mittelwert einzelner Geschwindigkeiten
- Die Momentangeschwindigkeit ist die Geschwindigkeit in einem bestimmten Augenblick (Tachoanzeige)
- Geschwindigkeit hat in der Physik immer eine Richtung, Schnelligkeit nicht