Schreibkonferenz: Peer-Feedback-Methode
Methodenguide für strukturiertes Peer-Feedback beim Schreiben — mit klaren Feedbackregeln, Leitfragen und einem Ablaufplan für die Schreibkonferenz.
KI-Kontext
Schülerinnen und Schüler sollen menschliches Feedback geben und empfangen — das kann KI nicht ersetzen. KI-Korrekturtools dürfen erst NACH der Schreibkonferenz eingesetzt werden, um Feedback mit automatischer Korrektur zu vergleichen. So werden beide Perspektiven genutzt.
Geförderte Kompetenzen
- Konstruktives Feedback formulieren
- Eigene Texte kritisch überarbeiten
- Feedbackregeln einhalten
- Texte kriterienbasiert beurteilen
- Überarbeitungsentscheidungen begründen
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Dieses Methodenguide steht als druckfertiges PDF zur Verfügung.
Überblick für Lehrkräfte
Die Schreibkonferenz ist eine der wirkungsvollsten Methoden zur Textüberarbeitung — wenn sie strukturiert durchgeführt wird. Dieser Guide liefert einen erprobten Ablaufplan, Feedbackregeln und Leitfragen für verschiedene Textsorten.
Warum Peer-Feedback statt KI-Korrektur?
KI-Tools korrigieren Grammatik und Stil effizient. Aber sie können nicht sagen: „An dieser Stelle habe ich als Leser den Faden verloren” oder „Dieses Beispiel überzeugt mich nicht”. Menschliches Feedback erfasst die Wirkung eines Textes — und genau darum geht es in der Schreibkonferenz.
Ablauf einer Schreibkonferenz (45 Min.)
Phase 1: Vorbereitung (5 Min.)
- Autor liest den eigenen Text still durch
- Markiert Stellen, bei denen er/sie unsicher ist
- Formuliert 1–2 gezielte Fragen an die Feedbackgruppe
Phase 2: Vorlesen (5 Min.)
- Autor liest den Text laut vor
- Feedbackgeber hören zu, machen sich Notizen
- Regel: Während des Vorlesens kein Kommentar
Phase 3: Erste Reaktion (5 Min.)
- Feedbackgeber sagen, was ihnen aufgefallen ist
- Nur positive Aspekte in dieser Phase!
- Formulierung: „Mir ist aufgefallen, dass…” / „Besonders gelungen finde ich…”
Phase 4: Vertieftes Feedback (15 Min.)
- Feedbackgeber arbeiten mit den Leitfragen (siehe unten)
- Formulierung: „An dieser Stelle war ich als Leser… (verwirrt/überrascht/überzeugt)”
- Keine Bewertung („gut”/„schlecht”), sondern Wirkungsbeschreibung
Phase 5: Rückfragen (5 Min.)
- Autor stellt die vorbereiteten Fragen
- Feedbackgeber antworten konkret
Phase 6: Überarbeitungsplan (10 Min.)
- Autor entscheidet allein, welches Feedback umgesetzt wird
- Erstellt einen kurzen Überarbeitungsplan (3–5 Punkte)
Leitfragen für verschiedene Textsorten
Erzählende Texte
- Konnte ich mir die Szene vorstellen?
- An welcher Stelle war die Spannung am höchsten?
- Wirken die Figuren lebendig?
Argumentative Texte
- Ist die These klar erkennbar?
- Welches Argument hat mich am meisten überzeugt? Welches am wenigsten?
- Werden Gegenargumente berücksichtigt?
Sachtexte
- Habe ich das Thema nach dem Lesen verstanden?
- Gibt es Fachbegriffe, die nicht erklärt werden?
- Ist die Struktur logisch?
Die goldenen Feedbackregeln
- Ich-Botschaften: „Ich habe an dieser Stelle…” statt „Du hast hier…”
- Konkret: Auf bestimmte Textstellen beziehen
- Konstruktiv: Nicht nur benennen, was fehlt, sondern Ideen anbieten
- Respektvoll: Der Text gehört dem Autor — er/sie entscheidet über Änderungen
KI als Ergänzung (nach der Konferenz)
Nach der Überarbeitung dürfen Schüler ihren Text durch ein KI-Korrekturtool laufen lassen. Abschliessende Reflexion: „Was hat die KI gefunden, was meine Feedbackpartner nicht bemerkt haben — und umgekehrt?”