📋 Aufgabenblatt Sprache & Kommunikation Für Lehrkräfte & SuS

Die Macht der Worte — wie Sprache Realität formt

Wie Framing, Euphemismen und Sprachbilder unsere Wahrnehmung lenken — von Nachrichtensprache über politische Rhetorik bis zur Alltagskommunikation. Mit Experimenten am eigenen Sprachgebrauch.

KI-Kontext

KI-Sprachmodelle sind selbst ein Beispiel für die Macht der Worte — sie reproduzieren Sprachmuster, ohne deren Wirkung zu verstehen. Die Aufgaben verlangen bewusstes Sprachhandeln und Reflexion über die eigene Wortwahl. KI darf für Beispielrecherche genutzt werden.

Geförderte Kompetenzen

  • Framing-Effekte in Texten erkennen
  • Euphemismen und ihre Funktion analysieren
  • Eigene Sprachmuster bewusst reflektieren
  • Zusammenhang zwischen Sprache und Wahrnehmung verstehen
  • Sprachliche Manipulation von sachlicher Information unterscheiden

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Überblick für Lehrkräfte

Wer die Sprache kontrolliert, kontrolliert das Denken — das wusste schon Orwell. Dieses Material macht diese abstrakte Einsicht konkret: Anhand von Alltagsbeispielen, Nachrichtentexten und dem eigenen Sprachgebrauch entdecken Schülerinnen und Schüler, wie Wortwahl Realität erschafft.

Didaktischer Ansatz

Keine Theorie vorweg — die Schüler erleben die Wirkung von Sprache zuerst an sich selbst, dann analysieren sie die Mechanismen, dann wenden sie das Wissen an.

Aufgabenstruktur

Aufgabe 1: Das Framing-Experiment

Zwei Gruppen erhalten denselben Sachverhalt, aber in unterschiedlicher Formulierung:

Gruppe A liest: „Die Regierung investiert 2 Milliarden Euro in den Ausbau der Überwachungsinfrastruktur, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.”

Gruppe B liest: „Die Regierung gibt 2 Milliarden Euro Steuergelder aus, um ein flächendeckendes Überwachungsnetz zu errichten.”

Beide Gruppen bewerten: Findest du das gut oder schlecht? (Skala 1–10)

Auswertung im Plenum: Ergebnisse vergleichen. Wie kann derselbe Sachverhalt so unterschiedlich bewertet werden?

Der Begriff: Framing — der Rahmen bestimmt, was wir im Bild sehen.

Aufgabe 2: Euphemismus-Detektor

Euphemismen sind freundliche Wörter für unfreundliche Dinge. Schüler übersetzen:

EuphemismusWas eigentlich gemeint ist
„Freisetzung von Mitarbeitern”
„Kollateralschaden”
„Bildungsferne Schichten”
„Umstrukturierungsmassnahmen”
„Erweiterte Verhörtechniken”
„Negative Wachstumsrate”

Vertiefung: Warum benutzt man Euphemismen? Immer schlecht — oder manchmal sinnvoll? (z.B. in der Trauerbegleitung: „verstorben” statt „gestorben”)

Gegenrichtung: Welche Wörter machen Dinge schlimmer, als sie sind? (Dysphemismen)

Aufgabe 3: Eine Woche Nachrichtensprache

Schüler sammeln eine Woche lang Schlagzeilen zum selben Thema aus verschiedenen Quellen:

  • Wie beschreiben unterschiedliche Medien denselben Sachverhalt?
  • Welche Wörter werden gewählt? Welche Bilder erzeugt?
  • Erstellung einer Vergleichstabelle mit Analyse der Wortwahl

Aufgabe 4: Die Sprache in deinem Kopf

Der persönlichste Teil — wie sprechen wir über andere und über uns selbst?

Experiment 1: Einen Tag lang darauf achten, wie du über andere sprichst.

  • „Der ist halt dumm” vs. „Der versteht das anders”
  • „Die ist so weird” vs. „Die ist anders als ich”
  • Was verändert sich, wenn du andere Wörter wählst? Verändert sich nur die Sprache — oder auch dein Denken?

Experiment 2: Wie sprichst du über dich selbst?

  • „Ich kann das nicht” vs. „Ich kann das noch nicht”
  • „Ich bin schlecht in Mathe” vs. „Mathe fällt mir schwer”
  • Klingt nach Kleinigkeit — aber Sprachforscher zeigen, dass es einen Unterschied macht.

Aufgabe 5: Sprache als Werkzeug — bewusst einsetzen

Abschlussaufgabe: Schreibe denselben Sachverhalt in drei Versionen:

  1. Neutral — so sachlich wie möglich
  2. Positiv geframt — so, dass die Leser es gut finden
  3. Negativ geframt — so, dass die Leser es ablehnen

Themenvorschläge: Schuluniform, Handyverbot im Unterricht, veganes Schulessen, verpflichtender Sozialdienst

Einsatzmöglichkeiten

  • Doppelstunde: Aufgaben 1–2, Rest als Fortsetzung
  • Projektwoche: Alle 5 Aufgaben, Aufgabe 3 als Langzeitbeobachtung
  • Fächerübergreifend: Aufgabe 1 in Politik, Aufgabe 4 in Ethik

Warum dieses Material wirkt

Es zeigt Sprache nicht als Regelwerk, sondern als Machtinstrument. Und es gibt Schülern Werkzeuge, um diese Macht zu durchschauen — und selbst verantwortungsvoll einzusetzen.

Schlagwörter

spracheframingrhetorikmanipulation