📋 Aufgabenblatt Mensch & Gesellschaft Für Lehrkräfte & SuS

Wer bin ich online — und wer will ich sein?

Digitale Identität, Selbstdarstellung und der Druck, eine Version von sich zu zeigen, die gar nicht existiert. Ein Aufgabenblatt, das ohne erhobenen Zeigefinger zum Nachdenken bringt.

KI-Kontext

Die Aufgaben erfordern ehrliche Selbstreflexion über das eigene Online-Verhalten. KI kann hier nichts beitragen — es geht um die persönliche Erfahrung, sich im digitalen Raum zu inszenieren, zu vergleichen und manchmal zu verlieren.

Geförderte Kompetenzen

  • Unterschied zwischen Online-Persona und realer Identität reflektieren
  • Sozialen Vergleich als psychologischen Mechanismus verstehen
  • Auswirkungen von Selbstdarstellungsdruck erkennen
  • Strategien für authentische digitale Kommunikation entwickeln
  • Empathie für andere Online-Identitäten entwickeln

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Überblick für Lehrkräfte

Was zeigst du auf Instagram, TikTok oder Snapchat — und was nicht? Dieses Material behandelt die psychologischen Kosten permanenter Selbstdarstellung, ohne Social Media zu verteufeln. Stattdessen schärft es den Blick für den Unterschied zwischen dem, was wir zeigen, und dem, was wir sind.

Warum dieses Thema?

Jugendliche wachsen mit der Selbstverständlichkeit auf, ein „digitales Ich” zu kuratieren. Die wenigsten reflektieren die Auswirkungen: sozialer Vergleich, Selbstwertgefühl, der Druck, immer verfügbar und immer perfekt zu sein. Studien zeigen klare Zusammenhänge zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und sinkender Lebenszufriedenheit — aber ein Verbot ist keine Lösung. Verstehen schon.

Aufgabenstruktur

Aufgabe 1: Dein digitales Profil — eine Analyse

Schüler betrachten ihr eigenes Profil (oder das einer fiktiven Person, wenn sie nicht teilen möchten) und beantworten:

  • Welche drei Adjektive beschreiben die Person auf dem Profil?
  • Welche drei Adjektive beschreiben dich im echten Leben?
  • Wo gibt es Unterschiede? Was fehlt online?
  • Warum zeigst du bestimmte Dinge — und andere nicht?

Wichtig: Kein Zwang, das eigene Profil zu zeigen. Es geht um die Reflexion, nicht um die Offenlegung.

Aufgabe 2: Die Highlight-Reel-Falle

Gedankenexperiment: Du scrollst durch den Feed und siehst: Urlaub, Party, Erfolg, Glück.

  • Wie fühlst du dich beim Scrollen? (Skala: inspiriert ↔ neidisch ↔ gleichgültig)
  • Jetzt die Gegenprobe: Stell dir vor, du siehst nur die Momente, die nicht gepostet wurden — die Langeweile, die Streitereien, die Unsicherheit. Wie verändert das dein Bild?
  • Der Begriff: Highlight Reel — du vergleichst dein ganzes Leben mit den besten Momenten anderer.

Daten: Studien zeigen, dass passives Scrollen (ohne selbst zu posten oder zu kommentieren) am stärksten mit negativer Stimmung korreliert. Warum könnte das so sein?

Aufgabe 3: Digitale Masken — ein Rollenspiel

Drei Szenarien, in denen Online-Identität zum Problem wird:

  1. Die Perfektionistin: Jule postet nur perfekte Fotos. In der Schule ist sie unsicher und still. Online hat sie 2000 Follower. Im echten Leben hat sie zwei Freundinnen.

  2. Der Troll: Max ist in der Schule unauffällig und freundlich. In Gaming-Chats schreibt er aggressive Kommentare unter einem anonymen Account.

  3. Die Mitläuferin: Leonie liked Beiträge, hinter denen sie gar nicht steht, weil ihre Freundinnen es tun. Im Gruppenhat stimmt sie Meinungen zu, die nicht ihre sind.

Die Frage ist nicht „Was machen die falsch?” — sondern:

  • Warum verhalten sie sich online anders als offline?
  • Kennst du ähnliche Situationen bei dir?
  • Was bräuchte es, damit sie online so sein können wie offline?

Aufgabe 4: 24 Stunden bewusst

Ein Tag, an dem du jedes Mal, wenn du etwas posten, liken oder kommentieren willst, kurz inne hältst und drei Fragen stellst:

  1. Warum will ich das jetzt tun? (Für mich? Für andere? Aus Langeweile? Aus Gewohnheit?)
  2. Wie würde ich mich fühlen, wenn ich es nicht tue? (Erleichtert? Ängstlich? Egal?)
  3. Zeigt das, wer ich wirklich bin?

Reflexion danach: Was hast du bemerkt? Hat sich etwas verändert?

Aufgabe 5: Regeln für dein digitales Ich

Abschluss: Formuliere 3–5 persönliche Grundsätze für deine Online-Präsenz. Nicht „Regeln, die der Lehrer gut findet”, sondern solche, hinter denen du wirklich stehst.

Beispiele als Inspiration (nicht als Vorlage):

  • „Ich poste nichts, wenn ich wütend bin.”
  • „Ich vergleiche mich nicht mit Accounts, die mir ein schlechtes Gefühl geben.”
  • „Ich muss nicht auf jede Nachricht sofort antworten.”
  • „Wenn ich mich online anders verhalte als offline, ist das ein Warnsignal.”

Methodische Hinweise

  • Dieses Material funktioniert nur in einer vertrauensvollen Atmosphäre
  • Keine Bewertung persönlicher Aussagen — nur der Reflexionstiefe
  • Schüler, die nicht über eigene Erfahrungen sprechen wollen, können immer auf fiktive Beispiele ausweichen
  • Aufgabe 4 als freiwillige Hausaufgabe — kein Zwang

Der rote Faden

Das Material sagt nicht „Social Media ist schlecht”. Es sagt: Du bist mehr als dein Profil. Und du hast das Recht, das auch online so zu leben.

Schlagwörter

identitätsocial-mediaselbstbildpsychologie