Michelson-Interferometer: Präzisionsmessung mit Licht
Aufgabenstellung
Ein Michelson-Interferometer besteht aus einer Lichtquelle (He-Ne-Laser, ), einem halbdurchlässigen Strahlteiler und zwei Spiegeln und . Am Ausgang werden die beiden Teilstrahlen überlagert und ein Interferenzmuster auf einem Detektor beobachtet.
- (a) Beschreiben Sie den Strahlengang im Michelson-Interferometer und erklären Sie, wie das Interferenzmuster entsteht. (4 BE)
- (b) Einer der Spiegel wird um die Strecke verschoben. Formulieren Sie die Bedingung dafür, dass am Detektor ein Wechsel von einem Maximum zum nächsten Maximum beobachtet wird. (4 BE)
- (c) Beim Verschieben eines Spiegels werden Intensitätswechsel (hell-dunkel) gezählt. Berechnen Sie die Verschiebung des Spiegels. (4 BE)
- (d) In einen Arm des Interferometers wird eine Glasplatte (Dicke , Brechungsindex ) eingebracht. Berechnen Sie die dadurch verursachte zusätzliche optische Weglänge und die Anzahl der beobachteten Intensitätswechsel. (4 BE)
- (e) Erläutern Sie, wie das Prinzip des Michelson-Interferometers beim Gravitationswellendetektor LIGO genutzt wird. (4 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: Strahlengang und Interferenzmuster (a)
Der Strahlengang im Michelson-Interferometer verläuft wie folgt:
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Der Laserstrahl trifft auf den Strahlteiler (halbdurchlässiger Spiegel), der unter zur Strahlrichtung steht. Der Strahl wird in zwei Teilstrahlen aufgeteilt: Ein Teil wird reflektiert (Richtung Spiegel ), der andere wird transmittiert (Richtung Spiegel ).
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Beide Teilstrahlen laufen zu ihren jeweiligen Spiegeln, werden dort reflektiert und kehren zum Strahlteiler zurück.
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Am Strahlteiler werden die beiden zurückkehrenden Strahlen wieder vereinigt: Der von reflektierte Strahl wird transmittiert, der von reflektierte wird reflektiert. Beide verlassen den Strahlteiler in Richtung Detektor.
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Die beiden Teilstrahlen haben unterschiedliche optische Weglängen zurückgelegt. Ihre Überlagerung am Detektor führt zu Interferenz:
- Konstruktive Interferenz (helles Maximum): wenn der Gangunterschied ein ganzzahliges Vielfaches der Wellenlänge beträgt ().
- Destruktive Interferenz (Minimum): wenn der Gangunterschied ein ungerades Vielfaches der halben Wellenlänge beträgt ().
Schritt 2: Bedingung für Maximum-zu-Maximum-Wechsel (b)
Wird ein Spiegel um die Strecke verschoben, ändert sich der optische Weg in diesem Arm um (Hin- und Rückweg).
Der Gangunterschied zwischen den beiden Teilstrahlen ändert sich also um:
Für einen Wechsel von einem Maximum zum nächsten Maximum muss sich der Gangunterschied um genau eine Wellenlänge ändern:
Daraus folgt die Bedingung:
Für den He-Ne-Laser:
Schritt 3: Verschiebung bei Intensitätswechseln (c)
Jeder Intensitätswechsel (hell → dunkel) entspricht einer Änderung des Gangunterschieds um .
Ein vollständiger Zyklus (hell → dunkel → hell) entspricht Intensitätswechseln und einer Spiegelverschiebung um .
Bei Intensitätswechseln (hell-dunkel) werden also vollständige Zyklen durchlaufen, was einer Verschiebung um entspricht.
Alternativ: Jeder einzelne Intensitätswechsel (hell → dunkel oder dunkel → hell) entspricht einer Verschiebung um . Daher:
Schritt 4: Zusätzliche optische Weglänge durch Glasplatte (d)
Ohne Glasplatte legt das Licht die Strecke in Luft zurück (Brechungsindex ). Die optische Weglänge beträgt dann .
Mit Glasplatte () beträgt die optische Weglänge für dieselbe Strecke .
Die zusätzliche optische Weglänge ist (Hin- und Rückweg beachten, da das Licht die Platte zweimal durchläuft):
Die Anzahl der Intensitätswechsel (hell-dunkel-Wechsel) ergibt sich aus:
Schritt 5: Michelson-Interferometer bei LIGO (e)
Der Gravitationswellendetektor LIGO (Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory) nutzt das Prinzip des Michelson-Interferometers in großem Maßstab:
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Aufbau: LIGO besteht aus zwei senkrecht zueinander stehenden Armen von jeweils Länge. An den Enden befinden sich hochreflektierende Spiegel. Ein Laser wird am Knotenpunkt durch einen Strahlteiler in die beiden Arme aufgeteilt.
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Messprinzip: Eine Gravitationswelle, die die Erde durchläuft, staucht den Raum in einer Richtung und streckt ihn in der senkrechten Richtung. Dadurch ändern sich die Armlängen minimal (, kleiner als ein Protonendurchmesser).
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Detektion: Die winzige Längenänderung führt zu einer Verschiebung des Gangunterschieds zwischen den beiden Teilstrahlen. Am Detektor ändert sich das Interferenzmuster — es kommt zu messbaren Intensitätsschwankungen.
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Empfindlichkeit: Durch den Einsatz von Fabry-Pérot-Resonatoren (das Licht wird in jedem Arm vielfach hin und her reflektiert) wird der effektive Lichtweg auf über verlängert. So können relative Längenänderungen von nachgewiesen werden.
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Erster Nachweis: Am 14. September 2015 gelang mit LIGO der erste direkte Nachweis von Gravitationswellen — erzeugt durch die Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher.
Ergebnis
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Strahlengang | Strahlteiler → zwei Arme → Reflexion → Überlagerung |
| Bedingung Maximum → Maximum | |
| Verschiebung bei 1580 Wechseln | |
| Optische Weglänge (Glasplatte) | ; Wechsel |
| LIGO-Prinzip | Gravitationswellen ändern 4-km-Armlängen → Interferenz |