Gedämpfte Schwingungen und Schwingungstilger am Wolkenkratzer
Aufgabenstellung
Der Wolkenkratzer Taipei 101 (Höhe ) besitzt einen kugelförmigen Schwingungstilger der Masse , der an Stahlseilen der Länge hängt. Dieser Tilger soll Gebäudeschwingungen bei Taifunen oder Erdbeben dämpfen. Verwenden Sie .
- (a) Modellieren Sie den Schwingungstilger als Fadenpendel und berechnen Sie seine Eigenfrequenz. (4 BE)
- (b) Erklären Sie, warum die Eigenfrequenz des Pendels mit der Eigenfrequenz des Gebäudes übereinstimmen muss (Resonanzprinzip). (4 BE)
- (c) Bei einem Taifun schwingt das Pendel mit einer Amplitude von . Berechnen Sie die maximale kinetische Energie. (4 BE)
- (d) Die Schwingung wird durch Stoßdämpfer gedämpft. Die Amplitude nimmt exponentiell ab: . Nach beträgt die Amplitude noch . Bestimmen Sie die Dämpfungskonstante . (4 BE)
- (e) Erläutern Sie, in welche Energieformen die Schwingungsenergie bei der Dämpfung umgewandelt wird. (4 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: Eigenfrequenz des Fadenpendels (a)
Ein Fadenpendel der Länge hat bei kleinen Auslenkungen die Schwingungsdauer:
Einsetzen:
Die Eigenfrequenz beträgt:
Hinweis: Die Eigenfrequenz hängt nur von der Seillänge und der Erdbeschleunigung ab, nicht von der Masse . Die Seillänge wurde so gewählt, dass die Eigenfrequenz des Pendels mit der Eigenfrequenz des Gebäudes übereinstimmt.
Schritt 2: Resonanzprinzip (b)
Der Schwingungstilger funktioniert nach dem Prinzip der Resonanz und Gegenphasigkeit:
-
Resonanzbedingung: Wenn das Gebäude durch Wind oder Erdbeben zu Schwingungen angeregt wird, überträgt sich diese Schwingung über die Aufhängung auf das Pendel. Stimmt die Eigenfrequenz des Pendels mit der Eigenfrequenz des Gebäudes überein, schwingt das Pendel in Resonanz — es nimmt die maximale Energie auf.
-
Gegenphasige Schwingung: Bei Resonanz schwingt das Pendel mit einer Phasenverschiebung von etwa bis gegenüber dem Gebäude. Im eingeschwungenen Zustand schwingt das Pendel gegenphasig (): Wenn sich das Gebäude nach rechts neigt, schwingt das Pendel nach links.
-
Energieübertragung: Das gegenphasig schwingende Pendel übt über die Aufhängung eine Rückstellkraft auf das Gebäude aus, die der Gebäudeschwingung entgegenwirkt. Dadurch wird dem Gebäude Schwingungsenergie entzogen und auf das Pendel übertragen.
-
Ohne Frequenzanpassung: Stimmen die Frequenzen nicht überein, kann das Pendel kaum Energie aufnehmen — es schwingt mit geringer Amplitude und hat keine dämpfende Wirkung auf das Gebäude.
Schritt 3: Maximale kinetische Energie (c)
Die maximale kinetische Energie tritt auf, wenn das Pendel die Ruhelage durchläuft (gesamte potenzielle Energie ist in kinetische umgewandelt).
Für ein harmonisch schwingendes Pendel gilt:
Die Kreisfrequenz berechnet sich aus der Schwingungsdauer:
Einsetzen mit und :
Kontrolle über Energieerhaltung: Alternativ lässt sich die maximale kinetische Energie über die Hubhöhe berechnen. Für kleine Auslenkungen gilt :
Schritt 4: Bestimmung der Dämpfungskonstante (d)
Gegeben: , .
Das exponentielle Abklinggesetz lautet:
Einsetzen der Werte für :
Logarithmieren:
Interpretation: Die Amplitude halbiert sich nach der Halbwertszeit:
Nach ca. ist die Schwingungsamplitude auf die Hälfte abgeklungen — das entspricht etwa Schwingungsperioden.
Schritt 5: Energieumwandlung bei der Dämpfung (e)
Die Schwingungsenergie des Pendels wird bei der Dämpfung in folgende Energieformen umgewandelt:
-
Wärmeenergie in den Stoßdämpfern: Der Schwingungstilger ist mit hydraulischen Stoßdämpfern (Viskosedämpfern) verbunden. In diesen wird Öl durch enge Ventile gedrückt. Die dabei auftretende viskose Reibung wandelt die kinetische Energie des Pendels in Wärme um. Dies ist der Hauptmechanismus der Energiedissipation.
-
Wärmeenergie durch Luftreibung: Das massive Pendel () bewegt sich durch die Luft. Dabei tritt Luftwiderstand auf, der einen Teil der kinetischen Energie in Wärme der Luft und des Pendelkörpers umwandelt. Dieser Anteil ist jedoch im Vergleich zu den Stoßdämpfern gering.
-
Schallenergie: Bei der Bewegung des Pendels und der Verformung der Stoßdämpfer werden Schallwellen erzeugt, die einen kleinen Teil der Energie in Form von Schall abführen.
-
Geringfügige elastische Verformung: In den Stahlseilen und der Aufhängung treten bei jeder Schwingung geringe elastische Verformungen auf. Die innere Reibung (Materialdämpfung) wandelt einen kleinen Anteil in Wärme um.
Energieerhaltung: Die gesamte Schwingungsenergie wird letztlich vollständig in thermische Energie (Wärme) umgewandelt — die mechanische Energie dissipiert.
Ergebnis
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Schwingungsdauer | |
| Eigenfrequenz | |
| Resonanzprinzip | → maximale Energieaufnahme, gegenphasige Dämpfung |
| Maximale kinetische Energie | |
| Dämpfungskonstante | |
| Energieumwandlung | Wärme (Stoßdämpfer), Luftreibung, Schall |