Ein Elektron befindet sich in einem eindimensionalen unendlich tiefen Potentialtopf der Breite L=0,50nm.
Gegeben: Plancksches Wirkungsquantum h=6,626⋅10−34J⋅s, Elektronenmasse me=9,109⋅10−31kg, Lichtgeschwindigkeit c=3,00⋅108sm, 1eV=1,602⋅10−19J.
Die erlaubten Energieniveaus im unendlich tiefen Potentialtopf sind:
En=8⋅me⋅L2n2⋅h2(n=1,2,3,…)
- (a) Berechnen Sie die Energien E1, E2 und E3 in Elektronenvolt. (5 BE)
- (b) Zeichnen Sie ein Energieniveauschema und tragen Sie die möglichen Übergänge zwischen den drei Niveaus ein. Berechnen Sie die Wellenlänge des Photons, das beim Übergang n=3→n=1 emittiert wird. (4 BE)
- (c) Erklären Sie, warum die Energien quantisiert sind, indem Sie die Analogie zur stehenden Welle nutzen. (4 BE)
- (d) Vergleichen Sie das Potentialtopfmodell mit dem Bohrschen Atommodell hinsichtlich Energiequantisierung und Grenzen der Modelle. (4 BE)
- (e) Der Potentialtopf wird auf die Breite L′=1,0nm verbreitert. Beschreiben Sie qualitativ, wie sich die Energieniveaus ändern, und erklären Sie den Zusammenhang. (3 BE)
Zunächst berechnen wir den gemeinsamen Vorfaktor:
8⋅me⋅L2h2=8⋅9,109⋅10−31⋅(0,50⋅10−9)2(6,626⋅10−34)2J
Zähler:
h2=(6,626⋅10−34)2=4,390⋅10−67J2⋅s2
Nenner:
8⋅me⋅L2=8⋅9,109⋅10−31⋅2,50⋅10−19=1,822⋅10−48kg⋅m2
Vorfaktor:
8meL2h2=1,822⋅10−484,390⋅10−67J=2,410⋅10−19J=1,505eV
Damit ergeben sich die Energieniveaus En=n2⋅1,505eV:
E1=12⋅1,505eV=1,51eV
E2=22⋅1,505eV=6,02eV
E3=32⋅1,505eV=13,5eV
E1≈1,51eV,E2≈6,02eV,E3≈13,5eV
Die Abstände zwischen den Niveaus wachsen mit steigender Quantenzahl — dies ist ein charakteristisches Merkmal des Potentialtopfmodells.
Energieniveauschema:
Die drei Niveaus werden als horizontale Linien bei ihren jeweiligen Energien eingetragen. Zwischen ihnen sind drei mögliche Übergänge als Pfeile nach unten einzuzeichnen:
- n=3→n=2: ΔE=13,5−6,02=7,48eV
- n=3→n=1: ΔE=13,5−1,51=12,0eV
- n=2→n=1: ΔE=6,02−1,51=4,51eV
Wellenlänge beim Übergang n=3→n=1:
Die Energiedifferenz beträgt:
ΔE3→1=E3−E1=13,5eV−1,51eV=12,0eV
Umrechnung in Joule:
ΔE3→1=12,0⋅1,602⋅10−19J=1,922⋅10−18J
Die Wellenlänge des emittierten Photons ergibt sich aus E=h⋅f=λh⋅c:
λ=ΔEh⋅c=1,922⋅10−186,626⋅10−34⋅3,00⋅108m
λ≈1,03⋅10−7m=103nm(UV-Strahlung)
Die Energiequantisierung im Potentialtopf lässt sich anschaulich über die Analogie zur stehenden Welle auf einer Saite verstehen:
Stehende Welle auf einer Saite: Eine Saite, die an beiden Enden eingespannt ist (Länge L), kann nur bestimmte Schwingungsmoden ausbilden. An beiden Enden müssen Knoten vorliegen. Daher muss die Wellenlänge die Bedingung erfüllen:
L=n⋅2λn⇒λn=n2L(n=1,2,3,…)
Übertragung auf den Potentialtopf: Das Elektron wird im Potentialtopf als stehende Materiewelle (Wellenfunktion ψ) beschrieben. An den Wänden des Topfes muss die Wellenfunktion verschwinden (ψ=0, Randbedingung), da sich das Elektron nicht außerhalb des Topfes aufhalten kann.
Daher sind nur bestimmte Wellenlängen erlaubt: λn=n2L.
Mit der de-Broglie-Beziehung p=λh und der kinetischen Energie E=2mp2 folgt:
En=2mepn2=2me1(λnh)2=2me1(2Ln⋅h)2=8meL2n2⋅h2
Die Randbedingungen erzwingen also diskrete Wellenlängen, die über die de-Broglie-Beziehung zu diskreten Impulsen und damit zu diskreten Energien führen. Die Quantisierung ist eine direkte Folge der Wellennatur des Elektrons und der räumlichen Einschränkung.
Randbedingungen ψ=0 erzwingen stehende Wellen → diskrete λn→ quantisierte En
| Aspekt | Potentialtopfmodell | Bohrsches Atommodell |
|---|
| Geometrie | Elektron in einem Kasten (1D) | Elektron auf Kreisbahn um Kern (3D) |
| Quantisierung | Stehende Materiewellen im Kasten; En∝n2 | Stehende Wellen auf Kreisbahn; En∝−n21 |
| Energieniveaus | Abstände wachsen mit n | Abstände nehmen mit n ab |
| Grundzustand | E1>0 (Nullpunktsenergie) | E1=−13,6eV (gebundener Zustand) |
| Gemeinsamkeit | Quantisierung durch Randbedingung/stehende Welle | Quantisierung durch Randbedingung (n⋅λ=2πr) |
Grenzen des Potentialtopfmodells: Das Modell ist stark vereinfacht — ein reales Atom hat kein kastenförmiges Potential, sondern ein Coulomb-Potential (∝1/r). Das Modell kann das Wasserstoffspektrum nicht korrekt beschreiben, ist aber nützlich für Elektronen in Nanostrukturen (Quantenpunkte, Quantendrähte).
Grenzen des Bohrschen Modells: Es funktioniert nur für Einelektronensysteme und kann weder die Intensität von Spektrallinien noch die chemische Bindung erklären. Es behandelt das Elektron noch als Teilchen auf einer definierten Bahn, was der Quantenmechanik widerspricht.
Beide Modelle: Quantisierung durch stehende Wellen; beide mit Grenzen der Anwendbarkeit
Der Potentialtopf wird von L=0,50nm auf L′=1,0nm verdoppelt.
Da En=8meL2n2h2 gilt, ist die Energie umgekehrt proportional zum Quadrat der Topfbreite:
En∝L21
Bei Verdopplung von L:
En′=8me(2L)2n2h2=4En
Alle Energieniveaus sinken auf ein Viertel ihres ursprünglichen Wertes:
E1′=41,51≈0,38eV,E2′≈1,51eV,E3′≈3,38eV
Physikalische Erklärung: In einem breiteren Topf passen stehende Wellen mit größerer Wellenlänge hinein. Größere Wellenlänge bedeutet kleinerer Impuls (p=h/λ) und damit kleinere kinetische Energie. Die Energieniveaus rücken zudem enger zusammen, was bedeutet, dass der Übergang zum klassischen Kontinuum (beliebige Energien) bei sehr großen Topfbreiten anschaulich wird.
Verdopplung von L→En′=4En; Niveaus ru¨cken enger zusammen
| Frage | Antwort |
|---|
| Energieniveaus | E1≈1,51eV, E2≈6,02eV, E3≈13,5eV |
| Photon n=3→1 | λ≈103nm (UV) |
| Quantisierung | Stehende Materiewellen; Randbedingungen erzwingen diskrete λn |
| Vergleich Bohr | Beide: stehende Wellen; Potentialtopf En∝n2, Bohr En∝−1/n2 |
| Verbreiterung L′=2L | En′=En/4; Niveaus rücken enger zusammen |