De-Broglie-Wellenlänge und Elektronenbeugung am Doppelspalt
Zur Lektion: Quantenobjekte: Welle-Teilchen-Dualismus verstehen
Aufgabenstellung
In einem Experiment nach Jönsson (1961) werden Elektronen durch eine Beschleunigungsspannung beschleunigt und anschließend auf einen Doppelspalt gelenkt. Hinter dem Doppelspalt befindet sich ein Detektor, der die einzelnen Elektronen ortsaufgelöst registriert.
Gegeben: Elektronenmasse , Elementarladung , Plancksches Wirkungsquantum .
- (a) Berechnen Sie die Geschwindigkeit der Elektronen nach Durchlaufen der Beschleunigungsspannung. Verwenden Sie die nicht-relativistische Näherung. (3 BE)
- (b) Berechnen Sie die de-Broglie-Wellenlänge der beschleunigten Elektronen. (3 BE)
- (c) Am Detektor wird ein Interferenzmuster beobachtet, obwohl die Elektronen als einzelne Teilchen auf dem Schirm nachgewiesen werden. Erklären Sie diesen scheinbaren Widerspruch und führen Sie den Begriff des Quantenobjekts ein. (5 BE)
- (d) Die Beschleunigungsspannung wird auf verdoppelt. Erläutern Sie qualitativ und quantitativ, wie sich das Interferenzmuster verändert. (4 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: Geschwindigkeit der Elektronen (a)
Die kinetische Energie der Elektronen nach der Beschleunigung entspricht der elektrischen Arbeit:
Umstellen nach :
Einsetzen der Werte:
Hinweis: Bei ist die nicht-relativistische Näherung bereits grenzwertig. Für eine exakte Rechnung wäre die relativistische Energie-Impuls-Beziehung nötig.
Schritt 2: De-Broglie-Wellenlänge (b)
Nach de Broglie ist jedem Teilchen mit dem Impuls eine Wellenlänge zugeordnet:
Einsetzen:
Diese Wellenlänge liegt weit unterhalb des sichtbaren Lichts und ist vergleichbar mit Atomabständen in Kristallen.
Schritt 3: Widerspruch und Quantenobjekt (c)
Beobachtung: Jedes einzelne Elektron wird auf dem Detektor als punktförmiger Treffer an einem bestimmten Ort registriert — es verhält sich bei der Detektion wie ein Teilchen. Gleichzeitig bilden viele einzelne Elektronen nach und nach ein Interferenzmuster mit Maxima und Minima — ein typisches Wellenphänomen.
Scheinbarer Widerspruch: Nach der klassischen Physik sind Teilchen und Wellen grundsätzlich verschiedene Konzepte. Ein Teilchen müsste durch genau einen der beiden Spalte fliegen und dürfte kein Interferenzmuster erzeugen. Eine Welle kann zwar interferieren, wird aber nicht an einem Punkt nachgewiesen.
Auflösung durch das Quantenobjekt: In der Quantenphysik werden Elektronen als Quantenobjekte beschrieben. Ein Quantenobjekt ist weder ein klassisches Teilchen noch eine klassische Welle, sondern ein Objekt eigener Art:
- Die Ausbreitung des Quantenobjekts wird durch eine Wellenfunktion beschrieben. Diese Wellenfunktion breitet sich durch beide Spalte gleichzeitig aus und interferiert mit sich selbst.
- Das Betragsquadrat der Wellenfunktion gibt die Aufenthaltswahrscheinlichkeit an — also die Wahrscheinlichkeit, das Elektron an einem bestimmten Ort zu detektieren.
- Die Detektion erfolgt stets als einzelnes, unteilbares Ereignis an einem bestimmten Ort. Der genaue Auftreffpunkt ist nicht vorhersagbar, nur die Wahrscheinlichkeitsverteilung.
Schritt 4: Verdopplung der Spannung (d)
Bei Verdopplung der Spannung auf :
Die de-Broglie-Wellenlänge hängt über die Geschwindigkeit von der Spannung ab. Durch Einsetzen von in die de-Broglie-Gleichung erhält man:
Die Wellenlänge ist also proportional zu :
Auswirkung auf das Interferenzmuster: Der Abstand der Interferenzmaxima beim Doppelspalt ist proportional zur Wellenlänge (). Da die Wellenlänge um den Faktor abnimmt, rücken die Maxima enger zusammen. Das Interferenzmuster wird feiner und die Abstände der Streifen werden kleiner.
Ergebnis
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Geschwindigkeit | |
| De-Broglie-Wellenlänge | |
| Quantenobjekt | Wellenartige Ausbreitung, teilchenartige Detektion; $ |
| Verdopplung der Spannung | ; Maxima rücken enger zusammen |