Compton-Effekt: Streuung von Röntgenstrahlung an Graphit
Aufgabenstellung
Röntgenstrahlung mit der Wellenlänge trifft auf eine Graphitprobe. Die gestreute Strahlung wird unter einem Winkel beobachtet.
- (a) Beschreiben Sie den Compton-Effekt: Was geschieht bei der Streuung des Photons am Elektron? Fertigen Sie eine Skizze an. (4 BE)
- (b) Berechnen Sie die Wellenlängenänderung mithilfe der Compton-Formel: . (4 BE)
- (c) Bestimmen Sie die Wellenlänge und die Energie des gestreuten Photons. (4 BE)
- (d) Erklären Sie, warum der Compton-Effekt als Beleg für den Teilchencharakter des Lichts gilt, und grenzen Sie ihn vom Fotoeffekt ab. (3 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: Beschreibung des Compton-Effekts (a)
Beim Compton-Effekt trifft ein Röntgenphoton auf ein (quasi-)freies Elektron in der Graphitprobe. Das Photon wird am Elektron gestreut und gibt dabei einen Teil seiner Energie und seines Impulses an das Elektron ab:
-
Vor dem Stoß: Das Photon hat die Wellenlänge , die Energie und den Impuls . Das Elektron ruht (näherungsweise).
-
Stoß: Das Photon trifft auf das Elektron. Der Vorgang wird als elastischer Stoß zwischen Teilchen beschrieben, bei dem Energie und Impuls erhalten bleiben.
-
Nach dem Stoß: Das Photon wird unter dem Streuwinkel abgelenkt und hat eine größere Wellenlänge (weniger Energie). Das Elektron wird als Rückstoßelektron unter einem Winkel herausgeschlagen und trägt die Energiedifferenz als kinetische Energie.
Skizze: Man zeichnet ein einlaufendes Photon (Wellenlinie) von links, das auf ein ruhendes Elektron trifft. Nach dem Stoß fliegt das gestreute Photon (längere Wellenlinie) unter dem Winkel nach oben ab, und das Rückstoßelektron fliegt unter dem Winkel nach unten rechts.
Schritt 2: Wellenlängenänderung (b)
Gegeben: , Compton-Wellenlänge .
Die Compton-Formel lautet:
Einsetzen:
Bei entspricht die Wellenlängenänderung exakt der Compton-Wellenlänge des Elektrons. Dies ist kein Zufall, sondern folgt direkt aus .
Schritt 3: Wellenlänge und Energie des gestreuten Photons (c)
Wellenlänge:
Energie des gestreuten Photons:
Umrechnung in :
Zum Vergleich — Energie des einfallenden Photons:
Das Photon hat durch die Streuung etwa an das Rückstoßelektron abgegeben.
Schritt 4: Teilchencharakter und Abgrenzung vom Fotoeffekt (d)
Compton-Effekt als Beleg für den Teilchencharakter:
Der Compton-Effekt zeigt, dass Photonen sich wie Teilchen mit Energie und Impuls verhalten. Die Streuung wird vollständig durch die Gesetze der Energie- und Impulserhaltung für einen Zweiteilchenstoß beschrieben — genau wie bei der Kollision zweier Billardkugeln. Das klassische Wellenmodell kann die beobachtete Wellenlängenänderung nicht erklären, da bei klassischer Streuung (Thomson-Streuung) die Wellenlänge unverändert bliebe.
Abgrenzung vom Fotoeffekt:
| Merkmal | Fotoeffekt | Compton-Effekt |
|---|---|---|
| Photon nach dem Stoß | vollständig absorbiert (verschwindet) | gestreut (existiert weiter mit weniger Energie) |
| Elektron | gebunden → herausgelöst | quasi-frei → Rückstoß |
| Energiebilanz | ||
| Beleg für | Quantelung der Energie () | Teilchencharakter (Impuls ) |
Beim Fotoeffekt wird das Photon vollständig absorbiert, beim Compton-Effekt bleibt es als gestreutes Photon mit geringerer Energie erhalten. Der Compton-Effekt belegt zusätzlich die Impulsquantelung des Photons.
Ergebnis
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Compton-Effekt | Photon-Elektron-Stoß: Wellenlänge nimmt zu, Elektron erhält Rückstoß |
| Wellenlängenänderung | |
| Gestreutes Photon | , |
| Teilchencharakter | Stoß mit Impulserhaltung; Fotoeffekt: Absorption, Compton: Streuung |