Blattaufbau und Stomata — Gasaustausch und Transpiration
Aufgabenstellung
Das Laubblatt ist das zentrale Organ der Fotosynthese. Sein anatomischer Aufbau ist auf maximale Lichtabsorption und effizienten Gasaustausch optimiert. Die Regulation der Stomata (Spaltöffnungen) stellt dabei einen zentralen Kompromiss zwischen CO₂-Aufnahme und Wasserverlust dar.
(a) Beschreiben Sie den Aufbau eines typischen Laubblattquerschnitts (Epidermis, Palisadenparenchym, Schwammparenchym, untere Epidermis mit Stomata). Erklären Sie die Funktion jeder Schicht. (4 BE)
(b) Erklären Sie den Mechanismus der Stomata-Öffnung: Welche Rolle spielen Kalium-Ionen () und der osmotische Druck in den Schließzellen? (4 BE)
(c) An einem heißen Tag schließt eine Pflanze ihre Stomata. Erläutern Sie den Zielkonflikt zwischen Transpirationsschutz und CO₂-Versorgung für die Fotosynthese. (4 BE)
(d) Ein Biologielehrer zeigt Schülern mikroskopische Bilder der Blattunterseite von Rosmarin (xeromorphes Blatt) und einer Seerose (hygromorphes Blatt). Vergleichen Sie die erwartete Stomata-Dichte und -Verteilung. (3 BE)
Lösungsweg
Schritt 1: Aufbau des Laubblattquerschnitts (a)
Ein typisches bifaziales Laubblatt (z. B. Buche, Linde) zeigt im Querschnitt von oben nach unten folgende Schichten:
1. Obere Epidermis mit Cuticula:
- Einschichtige Zellschicht ohne Chloroplasten, bedeckt von einer wachsartigen Cuticula.
- Funktion: Schutz vor Wasserverlust (Verdunstungsbarriere), mechanischer Schutz und Schutz vor UV-Strahlung. Die Cuticula ist weitgehend wasserundurchlässig und verhindert unkontrollierte Transpiration.
2. Palisadenparenchym:
- Eine oder mehrere Schichten langgestreckter, dicht gepackter Zellen, senkrecht zur Blattoberfläche angeordnet. Diese Zellen enthalten sehr viele Chloroplasten.
- Funktion: Hauptort der Fotosynthese. Die senkrechte Anordnung ermöglicht eine optimale Lichtausnutzung, da das Licht tief in die Zellen eindringen kann. Etwa der Fotosyntheseleistung eines Blattes findet hier statt.
3. Schwammparenchym:
- Locker angeordnete Zellen mit großen Interzellularräumen (Luftkammern). Die Zellen enthalten weniger Chloroplasten als das Palisadenparenchym.
- Funktion: Gasaustausch und Gastransport. Die Interzellularräume bilden ein zusammenhängendes Hohlraumsystem, das den Austausch von und zwischen Stomata und den fotosynthetisch aktiven Zellen ermöglicht. Zusätzlich findet hier in geringerem Umfang Fotosynthese statt.
4. Untere Epidermis mit Stomata:
- Einschichtige Zellschicht mit zahlreichen Spaltöffnungen (Stomata), die jeweils von zwei bohnenförmigen Schließzellen umgeben sind.
- Funktion: Regulierter Gasaustausch (-Aufnahme, -Abgabe) und kontrollierte Transpiration (Wasserdampfabgabe). Die Stomata befinden sich bevorzugt auf der Blattunterseite, um die direkte Sonneneinstrahlung und damit den Wasserverlust zu minimieren.
Schritt 2: Mechanismus der Stomata-Öffnung (b)
Die Öffnung und Schließung der Stomata beruht auf Turgorveränderungen in den Schließzellen und wird maßgeblich durch -Ionen gesteuert:
Öffnungsmechanismus:
-
Signalauslösung: Licht (insbesondere Blaulicht) und niedrige -Konzentration in den Interzellularräumen aktivieren Protonenpumpen (-ATPasen) in der Plasmamembran der Schließzellen.
-
Protonenpumpe: Die -ATPase pumpt Protonen () aktiv aus der Schließzelle nach außen. Dadurch entsteht ein elektrochemischer Gradient (Hyperpolarisation der Membran).
-
Kalium-Einstrom: Der elektrochemische Gradient treibt -Ionen durch spannungsgesteuerte Kaliumkanäle in die Schließzelle hinein. Gleichzeitig strömen -Ionen ein und es wird Malat als Gegenion synthetisiert.
-
Osmotischer Wassereinstrom: Die erhöhte Ionenkonzentration in der Schließzelle senkt das Wasserpotenzial. Wasser strömt osmotisch aus den Nachbarzellen in die Schließzellen ein.
-
Turgorerhöhung: Die Schließzellen schwellen an. Aufgrund ihrer besonderen Zellwandstruktur (radial angeordnete Cellulose-Mikrofibrillen und verstärkte innere Zellwand) krümmen sie sich bogenförmig auseinander — der Spalt öffnet sich.
Schließmechanismus: Bei Wasserstress schüttet die Pflanze Abscisinsäure (ABA) aus. ABA bewirkt den Ausstrom von und Anionen aus den Schließzellen, Wasser folgt osmotisch nach, der Turgor sinkt, und die Stomata schließen sich.
Schritt 3: Zielkonflikt bei geschlossenen Stomata (c)
Wenn eine Pflanze an einem heißen Tag ihre Stomata schließt, entsteht ein fundamentaler Zielkonflikt zwischen Wasserhaushalt und Kohlenstoffversorgung:
Vorteil des Stomata-Schlusses (Transpirationsschutz):
- Die Transpirationsrate sinkt drastisch, da der Hauptweg des Wasserverlustes (über die Stomata) verschlossen wird.
- Die Pflanze schützt sich vor dem Welken und vor irreversiblen Schäden durch Austrocknung.
- Bei extremer Hitze und niedriger Luftfeuchtigkeit kann der Wasserverlust durch Transpiration die Wasseraufnahme der Wurzeln übersteigen — der Stomata-Schluss verhindert eine lebensbedrohliche Dehydratation.
Nachteil des Stomata-Schlusses (CO₂-Mangel):
- kann nicht mehr aus der Atmosphäre in das Blattinnere diffundieren. Die interne -Konzentration sinkt.
- Die Fotosyntheserate nimmt ab, da RuBisCO weniger als Substrat zur Verfügung hat.
- Gleichzeitig steigt die -Konzentration im Blattinneren (durch die noch laufende Lichtreaktion), was die Photorespiration verstärkt — besonders bei C3-Pflanzen.
- Die Pflanze produziert weniger Assimilate (Glucose), was langfristig das Wachstum und die Reproduktion beeinträchtigt.
Zusammenfassung des Dilemmas: Die Pflanze muss zwischen kurzfristigem Überleben (Wassererhalt) und langfristiger Produktivität (Kohlenstofffixierung) abwägen. Die Stomata-Regulation ist daher ein fein abgestimmter Kompromiss, der von Faktoren wie Lichtintensität, Temperatur, -Konzentration, Luftfeuchtigkeit und dem Phytohormon Abscisinsäure (ABA) gesteuert wird.
Schritt 4: Vergleich xeromorphes vs. hygromorphes Blatt (d)
| Merkmal | Rosmarin (xeromorph) | Seerose (hygromorph) |
|---|---|---|
| Stomata-Dichte | Hoch (viele Stomata auf kleiner Fläche), aber oft in eingesenkte Gruben verlagert | Gering auf der Blattunterseite; Stomata bevorzugt auf der Blattoberseite (da Unterseite auf dem Wasser liegt) |
| Stomata-Verteilung | Fast ausschließlich auf der Blattunterseite, häufig in eingesenkten Krypten (Gruben), die von Trichomen (Haaren) bedeckt sind | Auf der Blattoberseite, da nur diese mit der Atmosphäre in Kontakt steht |
| Schutzstrukturen | Dicke Cuticula, eingerollte Blattränder, Trichome → erzeugen eine windstille Grenzschicht über den Stomata, die die Transpiration reduziert | Kaum Schutzstrukturen nötig, da Wasser im Überfluss vorhanden |
| Interzellularräume | Klein (dichtes Gewebe minimiert innere Verdunstungsfläche) | Sehr groß (Aerenchym), dienen auch der Auftriebssicherung |
Erklärung: Rosmarin als Pflanze trockener Standorte (Mittelmeerraum) zeigt zahlreiche Xeromorphie-Merkmale, die den Wasserverlust minimieren: eingesenkte Stomata, Trichome und dicke Cuticula. Die Seerose als Wasserpflanze hat keinen Trockenstress und zeigt Hygromorphie-Merkmale: dünne Cuticula, Stomata auf der Oberseite (einzige Kontaktfläche zur Luft), und große Interzellularräume für den Gastransport.
Ergebnis
| Frage | Antwort |
|---|---|
| (a) Blattaufbau | Obere Epidermis + Cuticula (Verdunstungsschutz) → Palisadenparenchym (Hauptort der Fotosynthese) → Schwammparenchym (Gasaustausch über Interzellularräume) → untere Epidermis mit Stomata (regulierter Gasaustausch) |
| (b) Stomata-Öffnung | H⁺-ATPase → K⁺-Einstrom → osmotischer Wassereinstrom → Turgorerhöhung → Schließzellen krümmen sich auseinander → Spalt öffnet sich |
| (c) Zielkonflikt Stomata-Schluss | Schutz vor Wasserverlust (Transpirationsreduktion), aber CO₂-Mangel → Fotosyntheserate sinkt, Photorespiration steigt → weniger Assimilate für Wachstum |
| (d) Xeromorph vs. hygromorph | Rosmarin: Stomata unterseits in Krypten, Trichome, dicke Cuticula (Trockenschutz); Seerose: Stomata oberseits (Wasserkontakt unten), dünne Cuticula, große Interzellularräume |